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Die Mainzer Bloßstellung
30.08.2006 von udo

Von Klaus Veit

Am Samstag, beim ersten Qualifikationsspiel für die Europameisterschaft 2008, darf die deutsche Nationalmannschaft noch einmal mit einem WM-Bonus rechnen. Als Dank für ein tolles sommerliches Fest.

In der Fußball-Bundesliga hat der graue Alltag bereits wieder Einzug gehalten. Auf dem Spielfeld, wo häufig nur die Schiedsrichter (zu viel) Farbe ins Spiel bringen. Und in den Stadien, wo die Verbotsflut am Sonntag in Mainz einen neuen, erschreckenden Höhepunkt gefunden hat. Dass Zuschauern, die dem Gastverein nahe stehen, der Eintritt verwehrt wird, weil sie sich mit Abzeichen ihres Vereins kleiden, ist traurig und dumm. Der ruhigste Zeitgenosse bekommt einen dicken Hals, wenn er bei kühlem Regenwetter nur noch im T-Shirt da sitzt und ihm ein Schauer wegen der Kälte, und nicht vom Fußballfieber ausgelöst, über den Rücken läuft. Wenn dann das Ganze noch so schlecht organisiert ist, dass einige Zuschauer ihr Eigentum nicht mehr zurück bekommen, dann ist das ein noch größerer Skandal. Weshalb der schriftliche Entschuldigungsversuch des FSV Mainz 05 auch viel zu dünn ausgefallen ist. Präsidum und Management versuchten sich hier damit heraus zu reden, die Anordnung sei eine Entscheidung der Geschäftsführung gewesen. Einerseits bedeutet dies, dass die Herren Strutz und Heidel ihren Laden nicht im Griff haben, andererseits fehlt die Zusicherung, dass die Geschädigten entschädigt
werden.

Heribert Bruchhagen hat die Mainzer Entschuldigung akzeptiert. Allerdings nicht auf Grund der Pressemitteilung, sondern nach einem Telefonat mit Harald Strutz, in dem der FSV-Präsident anscheinend ehrlichere Worte gefunden hatte. Eine andere Reaktion von Bruchhagen hätte vermutlich auch noch mehr Öl ins Feuer der bereits vor Wut kochenden Anhänger geschüttet. Und das nächste Derby kommt bestimmt. Es wäre töricht, wenn man dann auch die Mainzer Fans "entkleiden" wollte. Der FSV Mainz, bisher häufig und gerne als Vorzeigeclub in der Sparte "Fröhliches Völkchen" benutzt, hat sich durch diese unsinnige Aktion selbst bloß gestellt.

Traurig, aber wohl unumgänglich: DFL und Vereine sollten sich zusammensetzen, um festzulegen, welche Verbote verboten werden. Damit ein solcher Unsinn die unrühmliche Ausnahme bleibt.

Quelle: FNP, 30. 08. 2006


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