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Mainz ist gar kein Karnevalsverein
28.08.2006 von udo

Skandalöse Begleitumstände in Mainz. Hoffentlich hat es sich bald ausgeschunkelt.

Eins habe ich heute geschworen: Nie wieder Mainz! Ich habe die Nase gestrichen voll. Die sollen absteigen. Am besten gleich zwei, drei Ligen runter. Dann würde ich erst wieder hinfahren, wenn wir in der ersten Pokal-Runde unter dem Motto „Amateure gegen Bundesliga“ dort unser unwillkommenes Pflichtprogramm absolvieren müssten. Zuvor nicht. Niemals. Aber der Reihe nach:

Es fing damit an, dass die zwei Frankfurter Fanschiffe, die über den Main nach Mainz tuckerten, nicht in Mainz anlegen durften. Keine Ahnung weshalb. Offizielle Aussage war irgendwas mit „es würde die zeitgleich in Mainz stattfindenden Triathlon-Veranstaltung stören“, wenn die Fans am Mainzer Ufer anlegen würden. Für mich pure Schikane. Mainz hat noch diverse andere Anlegestellen, auch weitab von irgendwelchen Veranstaltungen, an denen die Schiffe hätten problemlos stoppen können. Nein, die Schiffe mussten in Wiesbaden-Biebrich anlegen, wo dann die Fans vom Schiff gleich in bereitstehende Busse verfrachtet wurden. Immerhin waren es ja die bösen Frankfurter, die bestimmt die idyllische und saubermann freundliche rheinlandpfälzische Landeshauptstadt plündern und brandschatzen wollten. Dazu passt, dass Fans, die mit der S-Bahn anreisten, sich unangemessen übertriebene Personenkontrollen am Mainzer Bahnhof gefallen lassen mussten. Es gab ja schließlich Eintrachtfans, die „Stadtverbot“ bekamen. Und die sollten wohl auf die Art rausgefischt werden, in dem gleich jeder kriminalisiert wurde, der aus der S-Bahn stieg. Zum Kopfschütteln.

Unglaublich, was man in diesem Land alles erleben kann, wenn man es wagt sich auch außerhalb einer massenhysterischen Weltmeisterschaft als Fußballfan zu erkennen zu geben! Denn es geht noch weiter: Im Stadion angekommen konnte man sich erstmal anhören, wie ca. 30-40 Mainzer Ultras-Spinner den Eingangsbereich des Gästeblocks stürmen wollten. Wohlgemerkt zu einem Zeitpunkt, als eventuelle „Gegner“, die sich eher auf Augenhöhe befinden, noch lange nicht in Mainz angekommen waren. Die Mainzer Helden schlugen auf Familienväter, Frauen und Kinder mit Eintracht- Fanutensilien ein! Auch wenn das nicht so ganz zum medial gehypeten Vorzeige-Image der Mainzer passt, gibt es solche Idioten im Zweifel überall. Der eigentliche Skandal: Ordner und Polizei griffen nicht ein und ließen diese skurrilen Szenen einfach so laufen. Schlimmer noch, die Ordner machten sich über die hilfesuchenden Familien lustig und ließen diese mit dem Kommentar, dass sie dann eben mal von Mainzern auf die Fresse bekommen würden, einfach vor den geschlossenen Eingangstoren stehen. Unglaublich!

Weiter geht’s: Dass für den Stehgästeblock offensichtlich zu viel Karten verkauft werden, kann man noch unter die Rubrik „Hauptsache dabei“ abtun. Die Alternative wäre überhaupt keine Karte zu bekommen. Richtig Spaß macht das Gequetschte und die miese Sicht im Gästebereich aber auch nicht wirklich. Es gab aber auch Eintrachtfans, die hatten Karten für die so genannten „Neutralen Blöcke“. Diese Blöcke waren so neutral, dass die Eintrachtfans ihre Trikots, T-Shirts und Schals ausziehen und abgeben mussten! Das ging so weit, dass manch einer mit nacktem Oberkörper das Spiel verfolgen musste! Andere auf Grund der Witterung (es zog und regnete kübelweise) ohne (Eintracht-) Jacken oder Trikots sich einen abbibberten. Da trocknet mir echt die Spucke im Mund ein! So was habe ich wirklich noch nie erlebt! Frauen, die keinen Bock hatten lediglich mit BH ins Stadion zu gehen, weil sie ihr Eintracht-Shirt oder Trikot ausziehen mussten, wurden von den Ordnern verbal behandelt wie der letzte Dreck! Das natürlich alles zur großen Freude der Mainzer Zuschauer, die, obwohl auch im neutralen Bereich zugegen, ihre Fansachen behalten durften. Es ist wirklich unglaublich, was in diesem Land alles geschehen darf. Insbesondere bei unserem Vorzeige-Spaß-Karnevalsclub. Mir kommt das kalte Kotzen. Zumal es im Vorfeld keinerlei noch so winzige Hinweise auf die uns zuteil werdende Mainzer Gastfreundschaft gab. Nicht ein Fan konnte auch nur im Ansatz ahnen, dass er in den meisten Blöcken schlicht unerwünscht war, wenn er vor hatte sich per Schal oder Hemd zur Eintracht zu bekennen.

Nach dem Spiel, zu dem ich hier kein Wort verlieren werde, ging das Trauerspiel am Mainzer Bahnhof weiter. Ersatz- bzw. Verstärkungszüge? Keine Spur! Wozu auch. Die paar Tausend Frankfurter können ja auch per normalen Sonntagsfahrplan „problemlos“ ausreisen. Nun, die einzige S-Bahn nach Frankfurt verspätete sich locker um eine halbe Stunde. Wenigstens gab es noch einen ICE nach Frankfurt. Doch kaum fuhr dieser ein, sperrten die Polizisten die Eingänge zu den Abteilen und verweigerten uns den Zutritt! Nicht zu fassen. Aber drauf geschissen! Schnell in die hinteren Wagons und ab in die Heimat. Nie wieder Mainz! Das braucht man sich wirklich alles nicht mehr anzutun.

Natürlich werden jetzt die Stimmen in unseren Reihen laut, die für das Rückspiel in Frankfurt gegen Mainz ähnliche Repressalien in Richtung Faschingsprinzen fordern, wie wir sie heute über uns ergehen lassen mussten. Ich werde nicht darin mit einstimmen. Ich finde es zum Magen entleeren, wenn Fußballfans wie Abschaum ohne jegliche Bürgerrechte behandelt werden. Ob bei uns, oder irgendwo anders. Auch wenn der wahre Fananteil unter den Mainzer Stimmungszombies eher eine verschwindend geringe Randgruppe ausmacht, sollen die doch bitte bei uns immer noch wie Menschen behandelt werden. Sie sollen ganz einfach bei uns genauso behandelt werden, wie wir behandelt werden wollen, wenn wir irgendwo auswärts unsere Truppe lautstark unterstützen. Das zeigt Größe und ist ganz nebenbei auch eine Selbstverständlichkeit.

Tröstlich ist es doch schon mal, dass wir keinen aufgedrehten wirr dahin sabbernden Stadionsprecher als Einheizer benötigen. Wenn dieses tolle Party-Event-Volk das unbedingt braucht, dann bitte. Soll es doch mit ihm glücklich und zufrieden im Stumpfsinn rheinischer Frohnaturen schunkelnd versinken. Schlimm genug, dass dieser fossile Spaßvogel langjähriges Eintracht-Mitglied war. Egal, die Eintracht hat dieses zweifellos schwarze Kapitel noch gerade so überlebt. Sie wird auch Mainz überleben. Ich auch. Nie wieder Mainz!

Andy Klünder


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